--- Hook --- Wir beleuchten heute, wie der Super Bowl in seiner Werbung die Superreichen aufs Korn nimmt und warum KI-Videos von Sora an Beliebtheit verlieren. Außerdem berichten wir über die Auflösung der Marketingabteilung von RTL, im Fachartikel von Daniela La Marca über Metas Rolle als KI-Gatekeeper und im Podcast mit Jörg Zeissig über neue Ansätze in der Kundenbeziehungspflege von Unternehmen. --- Thema 1 --- Im Super Bowl zweitausendsechsundzwanzig verfolgt das Telegesundheitsunternehmen Hims & Hers einen unkonventionellen Ansatz. Anstelle von Prominenten und harmlosen Humor setzt das Unternehmen auf provokante Gesellschaftskritik. In der Werbung mit dem Titel „Rich People Live Longer“ wird die zunehmende Ungleichheit im Zugang zu hochwertiger Gesundheitsversorgung thematisiert. Die zentrale These besagt, dass wohlhabende Menschen aufgrund ihrer finanziellen Mittel länger leben können, da sie sich teure medizinische und technologische Optimierungen leisten. Der Werbefilm verwendet markante Bilder, darunter einen Cowboy im Raumanzug, der an Jeff Bezos erinnert, sowie einen durchtrainierten Mann mit Sauerstoffmaske, der auf den Biohacker Bryan Johnson anspielt. Diese Charaktere sollen symbolisch für eine exklusive Gesundheitskultur stehen und nicht für spezifische Personen. Die Werbung zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf strukturelle Probleme im Gesundheitssystem zu lenken und polarisiert bewusst, um Diskussionen zu fördern. Hims & Hers hat bereits im Vorjahr mit einer ähnlichen Kampagne für Aufsehen gesorgt. Auch dieses Mal wird die Werbung durch Influencer-Kooperationen und weitere Großereignisse unterstützt, um gesellschaftliche Relevanz mit Markenbekanntheit zu verknüpfen. --- Thema 2 --- Die Video-App Sora von OpenAI, die im Herbst mit großem Erfolg gestartet war, verzeichnete einen dramatischen Rückgang an Nutzern und Umsatz. Nach einem starken Beginn, in dem die App schnell hohe Downloadzahlen erreichte, zeigen aktuelle Daten einen Rückgang der Downloads um mehr als vierzig Prozent im Januar zweitausendsechsundzwanzig im Vergleich zum Vormonat. Auch die Umsätze sanken um rund zweiunddreißig Prozent. Insgesamt hat Sora bisher etwa neun Komma sechs Millionen Downloads und einen Umsatz von ungefähr einer Million vierhunderttausend Dollar erzielt, wobei der Großteil aus den USA stammt. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Der zunehmende Wettbewerbsdruck durch andere Anbieter wie Googles Gemini und Meta AI, die ebenfalls KI-generierte Videos anbieten, spielt eine Rolle. Zudem belasten strengere Copyright-Regeln das Nutzererlebnis, da diese die kreative Freiheit einschränken. Strategische Partnerschaften, wie die mit Disney, konnten den Abwärtstrend nicht aufhalten. Ein weiterer Faktor ist die Zurückhaltung der Nutzer, ihre eigenen Abbildungen für KI-Videos freizugeben. Ohne bekannte Gesichter und mit eingeschränkten Inhalten verliert das Format an Attraktivität. --- Thema 3 --- RTL Deutschland plant im Rahmen des Programms „RTL Shift zweitausendsechsundzwanzig“ einen umfassenden Stellenabbau, der auch die zentrale Marketingabteilung betrifft. Insgesamt sollen etwa sechshundert Vollzeitstellen abgebaut werden. Medienberichten zufolge steht der nahezu vollständige Abbau der Marketingabteilung bevor, nachdem bereits Anfang zweitausendsechsundzwanzig zweihundertdreißig Stellen bei RTL News gestrichen wurden. Die Aufgaben im Marketingbereich könnten künftig an externe Agenturen ausgelagert werden, wodurch der interne Personalbestand in diesem Bereich stark reduziert werden könnte. RTL äußert sich hierzu zurückhaltend und verweist auf einen laufenden internen Prozess, hat jedoch bislang lediglich bestätigt, dass die Restrukturierung mehrere Unternehmensbereiche betrifft. Der Bereich Brand und Marketing ist derzeit für die Markenkommunikation von rund dreihundertfünfzig Marken verantwortlich, darunter die Dachmarke RTL sowie verschiedene Sender- und Medienmarken. Eine Auflösung der Marketingabteilung würde einen tiefgreifenden Wandel in der Markenführung des Medienkonzerns bedeuten, insbesondere in Anbetracht des schwierigen Werbemarktes und des sich verändernden Medienkonsums. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Daniela La Marca wird die Entwicklung von Meta als KI-Gatekeeper thematisiert und deren Auswirkungen auf Marken und Unternehmen erläutert. Daniela La Marca betont, dass Metas Entscheidung, seinen KI-Assistenten zu einem zentralen Informations-Gateway auszubauen, einen Wendepunkt in der Informationszugänglichkeit darstellt. Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit werden zunehmend innerhalb von KI-Systemen ausgehandelt, was für Unternehmen in Deutschland erhebliche Veränderungen mit sich bringt. Nach Einschätzung von Daniela La Marca bedeutet dies, dass der Wettbewerb um Sichtbarkeit nicht mehr nur von Google-Rankings abhängt, sondern auch von der Glaubwürdigkeit und Zitierfähigkeit der Inhalte. Die Chance für Unternehmen liegt in der Erschließung neuer Reichweiten, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Gleichzeitig warnt Daniela La Marca vor den Risiken, die mit der Abhängigkeit von Plattformen und dem potenziellen Verlust von Traffic verbunden sind. Ein zentrales Anliegen ist die Vertrauensfrage, da KI-Systeme oft plausible, aber nicht immer präzise Antworten liefern. Falsch dargestellte Informationen können sich schnell verbreiten und ein Reputationsrisiko für Unternehmen darstellen. Daniela La Marca schließt mit der Aufforderung, dass Unternehmen die Entwicklung dieser Systeme aktiv mitgestalten müssen, um Vertrauen und Qualität zu sichern. --- Thema 5 --- In der heutigen Podcast-Episode mit Jörg Zeissig wird thematisiert, wie Unternehmen Kundenbeziehungen neu denken können. Dabei betont Jörg Zeissig, dass Erlebnisse nicht lediglich Verkaufsargumente sind, sondern das Fundament erfolgreicher Kundeninteraktionen bilden. Ein ansprechender Messestand kann zwar eine positive Atmosphäre schaffen, jedoch kann er ein schwaches Angebot nicht verbergen. Daher ist es für Marketing-Manager entscheidend, in eine ehrliche Botschaft zu investieren, bevor sie sich mit der Gestaltung beschäftigen. Ein weiterer wichtiger Punkt, den Jörg Zeissig anspricht, ist die Bedeutung von Feedback aus früheren Event-Teilnahmen. Marketing-Manager sollten darauf bestehen, dass ihre neue Agentur diesen Austausch führt, um wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Zudem wird die Notwendigkeit betont, Agenturen auf ihre Branchenkenntnisse zu testen, da Unwissenheit am Messestand die Glaubwürdigkeit gefährden kann. Des Weiteren wird der Wandel hin zu Communities statt traditioneller Kundenrollen besprochen. Ein Messestand sollte als Ort der Zusammenarbeit fungieren, wobei Unternehmen ihre Besucher aktiv einbeziehen und deren Feedback zur Produktentwicklung nutzen. Schließlich wird die Bedeutung von messbarer Nachhaltigkeit hervorgehoben. Marketing-Manager sollten darauf achten, dass Agenturen transparente Standards für Nachhaltigkeit einhalten, um Greenwashing zu vermeiden.