--- Hook --- Wir nehmen heute in den Blick, wie Rügenwalder mit unkonventioneller WM-Werbung überrascht und warum dm im Jahr zweitausendsechsundzwanzig das Familien-Markenranking anführt. Außerdem beleuchten wir, wo das B2B-Marketing im Jahr zweitausendsechsundzwanzig zusammenkommt, diskutieren im Fachartikel von Roman Rackwitz, warum Belohnungen die Kundenbindung schwächen können, und erfahren im Podcast mit Dirk Held, wie Werbemittel in wenigen Minuten bewertet werden können. --- Thema 1 --- Die Rügenwalder Mühle verfolgt zur Fußball-Weltmeisterschaft zweitausendsechsundzwanzig einen innovativen Ansatz, der sich von klassischem Event-Sponsoring abhebt. Anstelle hoher Budgets für offizielle Sponsorrechte positioniert sich die Marke als „Partner der Gemeinschaft“ und setzt den Fokus auf gemeinsame Grillmomente, die als kulturelles Sommererlebnis inszeniert werden. Ziel ist es, die Markenrelevanz nicht nur durch Sichtbarkeit, sondern durch authentische Alltagssituationen zu stärken. Die Omnichannel-Kampagne integriert Digital-Out-of-Home, Social Media, TV und Point of Sale zu einer kohärenten Markeninszenierung. Ein Höhepunkt war die Aktivierung auf der Hamburger Reeperbahn, wo ein mobiles Grillbike und eine interaktive Fotobox zum Mitmachen einluden. Die Kommunikationsmechanik „Dabei, wenn …“ dient als kreatives Bindeglied und greift emotionale Alltagssituationen auf. Ergänzend dazu spricht die Social-Serie „BBCrew“ mit humorvollem Storytelling unterschiedliche Zielgruppen an. Am Point of Sale werden vegetarische BBQ-Produkte als integraler Bestandteil gemeinsamer Grillabende präsentiert und durch Promotions unterstützt. Auch außerhalb der WM setzt die Marke auf Cultural-Marketing-Aktivierungen, um Gemeinschaft erlebbar zu machen. --- Thema 2 --- Im Jahr zweitausendsechsundzwanzig führt dm das YouGov-Ranking der besten Familienmarken an. Die Drogeriemarktkette erzielt einen Sympathiewert von sechsundfünfzig Komma sechs Prozent und übertrifft damit deutlich die Konkurrenz. In mehreren Kategorien, darunter Babynahrung sowie Baby- und Kinderpflege, belegt dm ebenfalls den ersten Platz. Auf den weiteren Rängen folgen IKEA, das im Vorjahr noch an der Spitze war, sowie Lego Duplo. Rossmann und die Eigenmarke dm Bio runden die Top fünf ab. Auch Marken wie Disney+, Ravensburger sowie Anbieter aus dem Babysegment wie Hipp und Babylove werden von den Befragten als besonders sympathisch wahrgenommen. Die Studie zeigt, dass Drogerie- und Handelsmarken eine starke Präsenz im Alltag junger Familien haben und verschiedene Bedürfnisse abdecken. Es ist bemerkenswert, dass dm mit mehreren Marken im Ranking vertreten ist, was eine erfolgreiche Markenarchitektur innerhalb der Zielgruppe verdeutlicht. Das Ranking misst ausschließlich die wahrgenommene Sympathie und spiegelt emotionale Nähe, Vertrauen und Alltagstauglichkeit wider, die für Kaufentscheidungen im Familienkontext entscheidend sind. --- Thema 3 --- Der Tag der Industriekommunikation, kurz TIK, fand in diesem Jahr in einem neu gestalteten Rahmen statt. Mit dreihundertzwanzig Teilnehmern, siebenundzwanzig Speakern und fünfzehn Ausstellern bot die Veranstaltung innovative Networking-Formate und eine hohe Gesprächsqualität. Der Zugang über die Heurampe und die Nutzung der historischen Tenne schufen eine besondere Atmosphäre, die den Kontrast zwischen Tradition und Moderne unterstrich. Die Tenne wurde zum pulsierenden Zentrum, in dem Aussteller und Networking-Bereiche zusammengeführt wurden, was die Qualität der Begegnungen verbesserte. Im klimatisierten Stadtsaal lag der Fokus auf Konzentration und Austausch. Die Veranstaltung setzte auf ein gemeinsames Bühnenprogramm ohne parallele Sessions, um den Teilnehmern ein Gefühl der Vollständigkeit zu geben. Neu waren die Silent Listening Sessions, die es ermöglichten, vertiefende Gespräche ohne Raumwechsel zu führen. Das Catering war integraler Bestandteil des Eventdesigns, was die Interaktion förderte. Das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv, was die kontinuierliche Weiterentwicklung des Formats unterstreicht. Der TIK zeigte, wie ein etabliertes Event sich erneuern kann, während es den direkten Austausch in den Mittelpunkt stellt. Die Kombination aus persönlicher Begegnung und inspirierenden Inhalten machte den Tag wertvoll und ansprechend. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Roman Rackwitz wird die These aufgestellt, dass Belohnungen die Kundenbindung schwächen können. Roman Rackwitz erläutert, dass Dopamin durch die Erwartung und nicht durch die Belohnung selbst entsteht. Diese Erkenntnis, basierend auf den Beobachtungen des Neurowissenschaftlers Wolfram Schultz, zeigt, dass das Gehirn als Vorhersagemaschine agiert. Das bedeutet, dass Marketingstrategien, die auf vorhersagbare Belohnungen setzen, nicht die gewünschte emotionale Bindung erzeugen. Loyalty-Programme, die auf klaren und transparenten Belohnungssystemen basieren, führen oft zu kalkuliertem Verhalten der Kunden, wodurch die emotionale Bindung schwindet. Auch Personalisierung, die darauf abzielt, den richtigen Kunden zur richtigen Zeit mit dem passenden Angebot zu erreichen, kann den Antizipationsraum minimieren und somit das Engagement verringern. Roman Rackwitz kritisiert, dass das traditionelle Customer Lifetime Value-Modell nicht die Entwicklung von Kundenbeziehungen erfasst, sondern lediglich Durchschnittswerte betrachtet. Er plädiert für ein Umdenken in der Marketingstrategie, hin zu einem Vorhersagedesign, das die Erwartungen der Kunden in den Mittelpunkt stellt. Nur durch die Gestaltung von Erwartungsarchitekturen kann eine nachhaltige Kundenbindung erreicht werden. --- Thema 5 --- In der heutigen Podcast-Episode mit Dirk Held wird das Thema der Bewertung von Werbemitteln in Minuten besprochen. Dirk Held erklärt, dass erfolgreiche Werbung sowohl Markenbildung als auch Performance gleichzeitig leisten muss. Künstliche Intelligenz liefert zwar Antworten, jedoch nicht immer die richtigen. Während Sprachmodelle die Arbeit mit Daten, Bildern und Texten erleichtern, stoßen sie bei der Bewertung von Werbewirkung an Grenzen. Hier ist die Kombination aus generativer KI und prädiktiven Modellen entscheidend, um belastbare Prognosen und konkrete Optimierungsansätze zu erhalten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Aufmerksamkeit vor der Zielgruppenfrage entsteht. Werbung muss zunächst wahrgenommen und verstanden werden, bevor die individuelle Relevanz entscheidet. Dirk Held betont, dass Marke und Performance keine Gegensätze sind. Kurzfristige Aktivierung und langfristiger Markenaufbau können harmonisch miteinander verbunden werden. Zudem wird aufgezeigt, wie Best Practices durch KI skalierbar werden. Dies ermöglicht auch kleineren Teams, fundierte Entscheidungen schneller zu treffen. Letztlich hängt der Nutzen von KI-Anwendungen davon ab, welche konkreten Entscheidungen unterstützt werden sollen und wie diese in bestehende Prozesse integriert werden können.