--- Hook --- Heute geht es bei uns um „KI verändert Europas Produktsuche: Deutschland hinkt hinterher“, „OpenAI geht Richtung App Store“, „bonprix baut Cultural Marketing aus“, den Fachartikel von Sergej Plovs zu „Warum die 360-Grad-Kundensicht gescheitert ist“ und „Google testet neues Produkt-Karussel“. --- Thema 1 --- Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz, insbesondere Agentic Search, verändert die Produktsuche in Europa erheblich. Laut dem „State of Commerce“-Report von Salesforce ist die Anwendung von Agentic Search als erster Schritt der Kaufreise innerhalb eines Jahres um zweihundert Prozent gestiegen. Der durch Künstliche Intelligenz vermittelte Traffic auf Handelswebsites hat in den letzten Quartalen um bis zu vierhundert achtundzwanzig Prozent zugenommen. Gleichzeitig ist die Produktsuche über traditionelle Suchmaschinen zwischen August zweitausendfünfundzwanzig und Mai zweitausendsechsundzwanzig um fünfzehn Prozent gesunken. In Europa gibt es signifikante Unterschiede in der Nutzung von Agentic AI. Während in den Niederlanden und Frankreich bereits achtunddreißig Prozent der Unternehmen Agentic AI einsetzen, liegt Deutschland mit nur vierzehn Prozent deutlich zurück. In Skandinavien nutzen einunddreißig Prozent der Firmen diese Technologie. Der Trend zeigt, dass Händler ihre Produktdaten zunehmend für Künstliche Intelligenz-Systeme wie ChatGPT und Gemini aufbereiten müssen. Salesforce hat seine Commerce-Lösungen entsprechend angepasst, um die Auffindbarkeit von Produkten in KI-gestützten Such- und Kaufprozessen zu gewährleisten. --- Thema 2 --- OpenAI entwickelt ChatGPT zu einer zentralen Plattform für Softwareanwendungen, die es Nutzern ermöglicht, Apps direkt im Gespräch zu entdecken und zu verwenden. Zukünftig wird ChatGPT in der Lage sein, passende Apps zu empfehlen und deren Nutzung innerhalb des Chats zu integrieren. Hierfür wird die Plugin-Architektur um interaktive Oberflächen erweitert, die beispielsweise Design- oder Meeting-Anwendungen unterstützen. Ein neues Feature, „Sign in with ChatGPT“, erlaubt es Nutzern, ihre Identität in Drittanbieter-Apps zu übertragen und ihr bestehendes KI-Kontingent zu nutzen. Zu Beginn sind sechzehn Partner integriert. Zudem wird ein Enterprise-Marktplatz eingeführt, der Software von mehr als dreißig Partnern anbietet, darunter namhafte Unternehmen wie Adobe, Figma, HubSpot und Salesforce. Über viertausend Apps sollen mit OpenAI-Agenten kompatibel sein. Ein innovativer Aspekt sind die autonomen Agenten, genannt Dots, die Nutzern helfen, Aufträge zu formulieren und die passenden Werkzeuge auszuwählen. Diese Agenten können proaktiv Aufgaben vorbereiten und im Hintergrund recherchieren, wobei sie weiterhin die Zustimmung des Nutzers benötigen. Damit wird ein neuer Vertriebskanal für Software geschaffen, der außerhalb der traditionellen App-Stores operiert. --- Thema 3 --- Die Modemarke bonprix erweitert ihren Cultural-Marketing-Ansatz mit dem Videopodcast „Ladies Room“, der sich gezielt an Frauen zwischen vierzig und sechzig Jahren richtet. In diesem Format spricht die Journalistin und Podcasterin Paula Lambert in drei Folgen mit prominenten Gästen über persönliche Lebensrealitäten, darunter Themen wie Körperbild, Beziehungen, Mutterschaft, Karriere, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Erwartungen. Der Titel „Ladies Room“ verweist auf die Damentoilette, die als Ort für offene Gespräche dient. Dieses neue Format knüpft an die Kampagne „Forty & Fabulous“ an, mit der bonprix die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen sichtbar machte. Laut CMO Dr. Nicolai Johannsen zielt die Marke darauf ab, über die klassische Produktkommunikation hinaus relevante Diskurse aufzugreifen und neue Anknüpfungspunkte zur Zielgruppe zu schaffen. Der Trailer wurde seit dem fünfundzwanzigsten September über soziale Medien und als Podcast-Werbung verbreitet. Die erste Folge mit Nikeata Thompson wurde am achtundzwanzigsten September veröffentlicht, gefolgt von weiteren Episoden. Das Format ist auf gängigen Podcast-Plattformen und YouTube verfügbar. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Sergej Plovs wird die Vorstellung der 360-Grad-Kundensicht kritisch hinterfragt. Plovs erläutert, dass dieses Idealbild, das über viele Jahre als der heilige Gral des Customer Relationship Managements galt, in der Praxis oft zu einem enormen Aufwand führt, ohne dass sich automatisch bessere Kundenerlebnisse ergeben. Er betont, dass die Vollständigkeit eines Kundenprofils nicht zwangsläufig zu besseren Entscheidungen führt. Stattdessen sei es entscheidend, welche Informationen tatsächlich relevant sind, um im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen. Plovs hebt hervor, dass viele Unternehmen dazu neigen, Kundendaten nach dem Prinzip der Verfügbarkeit zu sammeln, was zu einer Überflutung von Informationen führt, die oft keinen klaren Nutzen bieten. Er fordert einen Perspektivwechsel: Statt nach Vollständigkeit zu streben, sollten Unternehmen eine entscheidungsfähige Kundensicht anstreben, die sich auf relevante Informationen konzentriert. Diese Sichtweise erfordert ein Umdenken in der Datenarchitektur und im Umgang mit Kundendaten, um den Fokus von der reinen Datensammlung hin zur aktiven Gestaltung der Kundenbeziehung zu verlagern. Plovs schließt mit der Überzeugung, dass die Zukunft der Kundensicht nicht in der Menge der Daten, sondern in deren Relevanz und Kontext liegt. --- Thema 5 --- Google testet derzeit ein neues Produkt-Karussell in seinen Suchergebnissen, das die Darstellung von Shopping-Angeboten verändert. Anstelle der bisherigen vier bis fünf Produkte pro Reihe zeigt das Unternehmen testweise drei größere Produktkarten. Diese neuen Karten nehmen sowohl in der Breite als auch in der Höhe mehr Platz ein. Besonders betroffen sind Bereiche wie „Beliebte Produkte“. Ein weiteres Element des Tests betrifft die Interaktion mit den Produktkarten. In einer Variante erscheinen zunächst mehrere Produkte nebeneinander, und nach einem Klick auf ein Produkt wird die Darstellung angepasst, sodass drei größere Karten sichtbar werden. Bislang hat Google keine Informationen darüber veröffentlicht, ob oder wann diese neue Darstellung dauerhaft in den Suchergebnissen implementiert wird. Für Anbieter und Händler könnte diese Änderung von Bedeutung sein, da die größere Darstellung einzelner Produkte potenziell mehr Sichtbarkeit für die jeweiligen Angebote schafft. Gleichzeitig bedeutet dies, dass weniger Produkte direkt nebeneinander angezeigt werden. Der Test stellt eine experimentelle Phase dar, und es bleibt unklar, ob Google das neue Produkt-Karussell breiter einführen wird oder an der bisherigen Darstellung festhält.