--- Hook --- Wir beleuchten heute, wie Google sein KI-Marketing-Tool Pomelli nach Europa bringt und werfen einen Blick auf die unkonventionellen Werbemaßnahmen der BVG. Außerdem berichten wir über den noch unklaren Werbeerfolg von OpenAI’s Ad Pilot, im Fachartikel von Volker Budde erfahren wir, warum E-Mail-KPIs oft nicht stimmen, und im Podcast mit Liesel Klokkers diskutieren wir, wie die nächste Generation von Agenten im CRM aussieht. --- Thema 1 --- Google führt das KI-Marketing-Tool Pomelli in dreißig europäischen Ländern ein, um Marketingprozesse für kleine und mittlere Unternehmen zu automatisieren. Pomelli soll die Erstellung von Marketinginhalten vereinfachen, indem die KI zentrale Markenmerkmale einer Unternehmenswebsite analysiert und darauf basierend passende Inhalte, Bilder und Marketing-Assets generiert. Aktuell befinden sich neue Funktionen wie „Catalog“ und „Websites“ in der Testphase. Diese Features könnten die automatisierte Verarbeitung von Produktdaten und die Erstellung kompletter Landing Pages ermöglichen. Die Entwicklung ist Teil von Googles umfassender Strategie, Marketing zunehmend durch Künstliche Intelligenz zu steuern, was auch die Planung und Optimierung umfasst. Allerdings steht der Rollout in Europa unter regulatorischer Beobachtung, da Themen wie Datenzugang und KI-Regulierung die Weiterentwicklung beeinflussen könnten. Momentan ist Pomelli nur in englischer Sprache verfügbar, jedoch sind weitere Sprachen in Planung. Langfristig möchte Google die Einstiegshürden für digitales Marketing senken und gezielt kleine und mittlere Unternehmen ansprechen. Der Erfolg von Pomelli wird davon abhängen, wie schnell das Tool an lokale Anforderungen angepasst wird. --- Thema 2 --- Die Berliner Verkehrsbetriebe, kurz BVG, haben sich im digitalen Marketing durch eine unkonventionelle Strategie hervorgetan. Anstatt Perfektion anzustreben, setzen sie auf ehrliche Schwächen, was ihnen sowohl Aufmerksamkeit als auch Markenliebe in den sozialen Medien einbringt. Die BVG nutzt Selbstironie als zentrales Element ihrer Markenstrategie und macht Imperfektion zum Hauptinhalt ihrer Kommunikation. In sozialen Netzwerken fallen sie durch humorvolle, überzeichnete Inhalte auf, die Verspätungen, Unzuverlässigkeit und typische Probleme des öffentlichen Nahverkehrs thematisieren, ohne sie zu beschönigen. Dieser offene Umgang mit Kritik macht die Marke für viele Nutzer sympathisch und interessant. Im Gegensatz zu klassischen Marken, die versuchen, negative Wahrnehmungen zu glätten, akzeptiert die BVG ihre Unvollkommenheit und integriert sie in ihre Kommunikation. Diese Authentizität hebt die BVG in einer Welt austauschbarer Marken hervor und trägt zu ihrem Erfolg als „Love Brand“ bei. --- Thema 3 --- OpenAI hat mit einem Werbepilotprojekt in ChatGPT begonnen, in dem erste große Marken Anzeigenformate testen. Trotz des gestiegenen Interesses an KI-basierten Such- und Kaufprozessen bleibt für viele Marketer der Return on Investment, kurz ROI, unklar. Die Nutzung von KI-Systemen zur Produktrecherche und Inspirationssuche nimmt zu, und ChatGPT bietet durch seine hohe Reichweite theoretisch attraktive Werbeumfelder, besonders in Momenten hoher Kaufabsicht. Erste Erfahrungsberichte zeigen jedoch, dass belastbare Ergebnisse aus den Tests noch ausstehen. Viele Unternehmen befinden sich in einer Testphase, oft motiviert durch die Sorge, eine wichtige Entwicklung zu verpassen, und agieren strategisch ohne klare Performance-Daten. Einige Experten setzen stattdessen auf generative Suchoptimierung, um Marken organisch in KI-Antworten sichtbar zu machen. Dieser Ansatz wird als nachhaltiger angesehen als traditionelle Anzeigenmodelle. OpenAI entwickelt seine Werbeplattform schnell weiter, inklusive Tracking und Performance-Tools. Dennoch bleibt ungewiss, ob sich ein stabiles Werbeökosystem um ChatGPT etablieren kann oder ob organische Sichtbarkeit den größeren Einfluss haben wird. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Volker Budde wird die Problematik von E-Mail-Kennzahlen, auch KPIs genannt, thematisiert. Volker Budde erläutert, dass Bots und automatisierte Systeme häufig die Öffnungs- und Klickraten von E-Mails verfälschen, was zu einer irreführenden Darstellung der Kampagnenleistung führt. Diese Bots öffnen E-Mails und interagieren mit Inhalten, bevor echte Nutzer dies tun, wodurch die wahrgenommene Performance steigt, während die tatsächlichen Umsätze stagnieren. Nach Einschätzung von Volker Budde sind die Auswirkungen dieser künstlichen Interaktionen erheblich. A/B-Tests und Segmentierungen werden durch Bots verzerrt, was zu ungenauen Marketingstrategien führt. Viele E-Mail-Plattformen sind nicht auf diese Veränderungen ausgelegt, was die Situation weiter verschärft. Budde betont, dass ein Perspektivwechsel notwendig ist: Statt nur zu fragen, wie viele Nutzer reagiert haben, sollte der Fokus darauf liegen, wie viele echte Nutzer tatsächlich reagiert haben. Dieser Ansatz ermöglicht eine präzisere Bewertung von Kampagnen und verbessert die Entscheidungsgrundlagen im Marketing. Letztlich wird die Zukunft den Teams gehören, die in der Lage sind, echte Nutzerinteraktionen von automatisierten Prüfungen zu unterscheiden. --- Thema 5 --- In der heutigen Podcast-Episode mit Liesel Klokkers wird die nächste Generation von Agenten im Customer Relationship Management besprochen. Liesel Klokkers erklärt, wie der Konzern hinter der CRM-Revolution mit intelligenten Agenten arbeitet und welche grundlegenden Veränderungen sich in der Kundeninteraktion ergeben. Ein zentrales Element ist die Metadatenschicht, die vor mehr als zwei Jahrzehnten geschaffen wurde. Diese dient als digitales Skelett, auf das KI-Agenten zugreifen, um eigenständig Entscheidungen zu treffen. Zudem betont sie die Bedeutung der Datenintegration, die es Agenten ermöglicht, auf relevante Informationen zuzugreifen, ohne Daten zu duplizieren, was für Marketer zu besseren Einblicken und automatisierter Lead-Qualifizierung führt. Liesel Klokkers beschreibt auch vier Säulen, auf denen ein Betriebssystem für KI-Agenten basiert: Kontext, Kontrolle, Vertrauen und Compliance. Diese Faktoren sind entscheidend, damit Agenten eigenständig handeln können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Mensch-KI-Zusammenarbeit, die nicht isoliert, sondern direkt im Arbeitsablauf der Marketer integriert sein sollte. Abschließend thematisiert Liesel Klokkers den Skill-Wandel, der durch den Einsatz von KI-Agenten entsteht, und betont die neuen Chancen, die sich für Marketer ergeben, während sie sich auf strategische und kreative Aufgaben konzentrieren können.