--- Hook --- Wir beleuchten, wie Facebook das Posten von Links einschränkt und warum der Meta-CMO Performance Marketing kritisch sieht. Im Fachartikel von Manisha Powar wird Customer Feedback neu gedacht, während wir im Podcast mit Ben Ellermann den Wandel von regelbasierten Bots zu flexiblen KI-Agenten diskutieren; zudem berichten wir über den Trend, dass Reifenwerbung zunehmend ins Internet verlagert wird. --- Thema 1 --- Facebook hat ein neues Experiment eingeführt, das das Posten von Links auf professionellen Accounts und Seiten einschränkt, um die Zahl der zahlenden Abonnenten zu erhöhen. Nutzer im Profi-Modus dürfen ohne eine kostenpflichtige Meta Verified-Mitgliedschaft, die ab vierzehn Komma neunundneunzig US-Dollar pro Monat erhältlich ist, lediglich zwei Links pro Beitrag teilen. Ausgenommen von dieser Begrenzung sind Affiliate-Links, Kommentare sowie Links zu den eigenen Plattformen von Meta, wie Facebook, Instagram oder WhatsApp. Dieses Experiment zielt darauf ab, den Mehrwert für zahlende Abonnenten zu evaluieren und betrifft vor allem Marken und Kreative, die Inhalte von externen Plattformen teilen. Verlage sind nicht in den Test einbezogen, und das Posten von Links in Kommentaren bleibt weiterhin uneingeschränkt möglich. Meta verfolgt mit dieser Maßnahme das Ziel, die Nutzung ihrer eigenen Plattformen zu fördern. Laut dem Transparenzbericht für das dritte Quartal stammen über achtundneunzig Prozent der Feed-Views in den USA von Beiträgen ohne externe Links. Mit dieser neuen Regelung könnten Creator und Marken gezwungen sein, Inhalte von Meta-Plattformen zu teilen oder ganz auf das Posten zu verzichten, wenn sie kein Abonnement erwerben möchten. --- Thema 2 --- Im Fachartikel von Manisha Powar wird auf den signifikanten Wandel in der Kommunikation zwischen Kund:innen und Marken hingewiesen. Manisha Powar erläutert, dass der Anteil der Verbraucher:innen, die nach negativen Erfahrungen Feedback geben, in den letzten fünf Jahren gesunken ist. Nur noch vierundzwanzig Prozent der deutschen Kund:innen äußern sich direkt, was bedeutet, dass Unternehmen, die sich auf klassische Umfragen verlassen, einen Großteil der Kundenstimmung verpassen. Die Gründe für das Schweigen der Kund:innen sind vielfältig, darunter die Überzeugung, dass Feedback ignoriert wird, Datenschutzbedenken und ein Wandel im digitalen Konsumverhalten. Manisha Powar führt weiter aus, dass Feedback zunehmend fragmentiert ist und über verschiedene Kanäle verteilt wird, was es für Unternehmen schwierig macht, wertvolle Einblicke zu gewinnen. Die Lösung sieht Manisha Powar in KI-gestützten, autonomen Feedback-Schleifen, die den gesamten Prozess der Stimmungserkennung und Reaktion übernehmen. Dies ermöglicht ein dynamisches Fragen, prädiktive Maßnahmen und eine umfassende Analyse über verschiedene Kommunikationskanäle hinweg. Unternehmen, die diese neuen Methoden erfolgreich implementieren, können sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und schneller auf die Bedürfnisse ihrer Kund:innen reagieren. --- Thema 3 --- In der heutigen Podcast-Episode mit Ben Ellermann wird der Wandel von regelbasierten Bots hin zu flexiblen KI-Agenten besprochen. Ben Ellermann erklärt, dass der Unterschied zwischen älteren Bot-Systemen und modernen KI-Agenten fundamental ist. Während frühere Systeme auf starren Skripten basierten, können heutige Agenten natürliche Sprache verstehen und verarbeiten, was die Kundenfreundlichkeit erheblich steigert und neue Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen eröffnet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Wissensmanagement. Große Organisationen besitzen wertvolles Wissen, das oft in Wikis und Dokumentationssystemen verborgen ist. KI-Agenten machen dieses Wissen erstmals nutzbar, indem sie interne Fragen beantworten oder Informationen bereitstellen. Allerdings bringt dies auch Herausforderungen mit sich, wie Zugriffsrechte und Datenqualität, die entscheidend für die Effizienz sind. Die Geschwindigkeit der Antworten ist ebenfalls entscheidend für die Akzeptanz der Technologie. Kunden erwarten schnelle Reaktionen, weshalb die technische Herausforderung darin besteht, Informationen in unter einer Sekunde bereitzustellen. Unternehmen setzen daher auf spezialisierte Technologien, um diese Latenz zu minimieren. Ein weiterer Punkt ist die Integration von Technologien unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Es ist wichtig, verantwortungsvoll mit Daten umzugehen und Wissensgenerierung aus strukturierten Quellen zu priorisieren. Abschließend stellt Ben Ellermann fest, dass die Branche sich im Wandel befindet, wobei repetitive Aufgaben zunehmend von KI-Agenten übernommen werden, während menschliche Betreuung für komplexere Anliegen erhalten bleibt. --- Thema 4 --- Der Begriff „Performance Marketing“ hat sich in der Marketingbranche etabliert, doch seine Auswirkungen sind problematisch. Er impliziert, dass andere Marketingformen nicht effektiv sind, was die Moral der Fachkräfte beeinträchtigt und die Wahrnehmung in Führungsetagen verzerrt. Die Ergebnisse, die häufig auf Klicks, Leads oder der Klickrate basieren, sind oft irreführend und werden als sogenannte Vanity Metrics bezeichnet. Diese Kennzahlen können leicht durch Bots oder oberflächliche Interaktionen verfälscht werden. Zudem ist die genaue Zuordnung von Conversions zu einzelnen Kampagnen selten möglich, was eine falsche Kausalität suggeriert. Ein weiteres ernstes Problem ist das geförderte Kurzfristdenken, das dazu führt, dass Budgets bevorzugt in digitale Kanäle investiert werden, während der langfristige Markenaufbau vernachlässigt wird. Entscheidungen im Marketing orientieren sich zunehmend an vermeintlich messbaren Erfolgen anstelle einer strategischen Markenführung. Trotz der positiven Absichten und der modernen Anmutung überwiegen die negativen Effekte. Experten, darunter auch der CMO von Meta, betonen, dass Marketing immer performt und der Zusatz „Performance“ daher überflüssig ist. --- Thema 5 --- Die Werbemarktanalyse für Reifen im Jahr zweitausendfünfundzwanzig zeigt eine signifikante Verschiebung hin zur digitalen Werbung. Zwei Drittel der Werbebudgets fließen mittlerweile ins Internet, während klassische Kanäle wie Fernsehen, Print und Radio an Bedeutung verlieren. In der Analyse wird festgestellt, dass drei führende Marken, Falken, Hankook und Michelin, gemeinsam zwei Drittel des gesamten Werbevolumens kontrollieren. Im Zeitraum von Oktober zweitausendvierundzwanzig bis September zweitausendfünfundzwanzig investierten insgesamt dreiundsiebzig Marken rund einundvierzig Millionen Euro in Werbemaßnahmen, was einem Anstieg von etwa einundzwanzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Saisonale Peaks im Frühjahr und Herbst bestimmen weiterhin die Werbeaktivitäten, die sich stark an den klassischen Reifenwechselzeiten orientieren. Die Strategien variieren je nach Produktsegment: Fahrradreifen und Imagekampagnen laufen fast ausschließlich online, während Pkw-Reifen auch auf Print und Radio setzen. Für Marken und Hersteller bleibt Sichtbarkeit ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, der eine gezielte digitale Mediastrategie erfordert.