--- Hook --- Wir nehmen heute in den Blick „ChatGPT Ads starten direkten KI-Dialog“, „Lemonaid setzt auf Social Business“, „IAB prognostiziert 12 Prozent Anzeigenwachstum“, den Fachartikel von Jörg Vogelsang zu „Kontaktqualität statt Klickpreis optimieren“ und „BVE warnt vor Abmahnrisiko durch Greenwashing“. --- Thema 1 --- OpenAI testet eine innovative Form der Werbung in ChatGPT, die es Nutzern ermöglicht, direkt mit einem KI-Agenten einer Marke zu interagieren. Anstatt die Nutzer auf die Website des Werbekunden zu leiten, öffnet ein Klick auf die Anzeige einen Dialog innerhalb von ChatGPT. Der Call-to-Action, wie beispielsweise „Chat with us“, fungiert als Einstieg in ein Verkaufsgespräch. Wayfair ist bereits im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Namen „Sponsored Agent“ aktiv und untersucht, wie Conversational Commerce Kaufentscheidungen unterstützen kann. Dieses neue Format geht über die bisherigen gesponserten Platzierungen hinaus und ermöglicht es dem Markenagenten, Interessenten zu beraten, Fragen zu beantworten und sie bei Bedarf an den Kundenservice oder den Vertrieb weiterzuleiten. Wayfair testet die Technik zunächst in begrenztem Umfang und implementiert Schutzmechanismen für Produktgenauigkeit und Transparenz. OpenAI sieht die bisherigen Anzeigen als Ausgangspunkt für die Entwicklung stärker KI-nativer Werbeformate. Das Click-to-Chat-Format eröffnet Werbekunden neue Möglichkeiten zwischen Werbung, Beratung und Commerce. Es bleibt jedoch unklar, ob Marken ihre potenziellen Kunden innerhalb von ChatGPT halten möchten oder sie lieber auf ihre eigenen Websites führen, wo sie mehr Kontrolle über Kundendaten und den Kaufprozess haben. Die Wirtschaftlichkeit der bisherigen ChatGPT Ads ist noch nicht abschließend belegt. --- Thema 2 --- Lemonaid verfolgt seit der Gründung im Jahr zweitausendneun ein Geschäftsmodell, das wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Das Unternehmen setzt auf Bio-Zutaten, faire Lieferketten und einen festen Beitrag zu sozialen Projekten. In den vergangenen siebzehn Jahren wuchs der Umsatz im Durchschnitt um neununddreißig Prozent jährlich, und mehr als vierzehn Millionen Euro flossen in soziale Projekte. Heute sind Lemonaid und ChariTea in über dreißig Ländern erhältlich, und mehrere hundert Millionen Flaschen wurden verkauft. Mit dem Wachstum stehen jedoch Herausforderungen im Raum, die ursprünglichen Werte in größeren Strukturen zu bewahren. Neue Märkte und komplexere Lieferketten erfordern klare Prozesse, weshalb Skalierung für Lemonaid nicht nur Wachstum des Produktgeschäfts bedeutet, sondern auch eine Ausweitung ihrer Prinzipien. Transparenz über Herkunft und Produktionsbedingungen wird zu einer zentralen Frage der Unternehmensführung. Ab Juli zweitausendsechsundzwanzig können Mitglieder der Community über GLS Crowd und WIWIN am Unternehmen teilhaben. Der Ansatz des „Fairholder Value statt Shareholder Value“ zielt darauf ab, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht nur Investoren, sondern auch Produzenten und sozialen Projekten zugutekommt. Die Herausforderung liegt darin, ob ein konsequent werteorientiertes Geschäftsmodell auch bei wachsender Größe glaubwürdig und wirtschaftlich erfolgreich bleibt. --- Thema 3 --- Das Interactive Advertising Bureau, kurz IAB, hat seine Prognose für das Wachstum des US-Werbemarktes bis zum Jahr zweitausendsechsundzwanzig angehoben. Anstatt der ursprünglich erwarteten neun Komma fünf Prozent wird nun ein Anstieg von zwölf Komma drei Prozent prognostiziert. Diese positive Entwicklung wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt, darunter ein starkes erstes Halbjahr sowie bedeutende Live-Events wie die Olympischen Winterspiele und die Fußball-Weltmeisterschaft. Insbesondere digitale Kanäle zeigen ein starkes Wachstum, wobei Social Media mit einem Plus von sechzehn Komma fünf Prozent an der Spitze steht. Die Ziele der Werbeinvestitionen haben sich ebenfalls verschoben. Sechsundsechzig Prozent der Befragten geben an, die Neukundengewinnung als vorrangiges Ziel zu verfolgen. Künstliche Intelligenz spielt eine entscheidende Rolle in der Mediaplanung, wobei vierundvierzig Prozent der Marketingfachleute die Anpassung an verändertes Konsumentenverhalten als größte Herausforderung sehen. Ein erheblicher Teil der Werbeentscheider, nämlich sechsundachtzig Prozent, plant, ihre Messmethoden aufgrund von Conversational AI und AI Agents innerhalb des kommenden Jahres zu überarbeiten. Dies zeigt, wie stark sich die Landschaft der Werbung durch technologische Entwicklungen verändert. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Jörg Vogelsang wird die Bedeutung der Kontaktqualität im Vergleich zum Klickpreis hervorgehoben. Jörg Vogelsang erläutert, dass der Cost-per-Click, kurz CPC, oft die Kontaktqualität unterschätzt. Ein Test hat gezeigt, dass psychografische Umfelder eine längere Nutzung und eine signifikante Reduzierung der Kosten pro Attention-Sekunde erzielen können. Er weist darauf hin, dass der Third-Party-Cookie als Fundament für Audience Targeting nicht mehr verlässlich ist, was die gezielte Ansprache hochwertiger Werbeflächen erschwert. Viele Teams setzen dennoch weiterhin auf den CPC, da er schnell verfügbar und leicht vergleichbar ist. Jörg Vogelsang betont, dass höhere Klickpreise sinnvoll sein können, wenn die Qualität der Kontakte steigt. Ein blinder Fleck der klassischen Performance-Logik sei, dass die CPC-Optimierung oft nur günstige Einstiege in den Marketing Funnel priorisiere, ohne zu berücksichtigen, was nach dem Klick geschieht. Der Test, der psychografische Modelle zur Segmentierung verwendete, zeigte, dass eine längere Verweildauer und effizientere Aufmerksamkeit erzielt werden können. Jörg Vogelsang empfiehlt, den CPC nicht zu verwerfen, sondern ihn in Kombination mit Qualitätskennzahlen zu nutzen, um ein umfassenderes Bild der Kampagneneffizienz zu erhalten. --- Thema 5 --- Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie warnt vor einem erhöhten Abmahnrisiko für Unternehmen, das durch die neue EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“, kurz EmpCo, entsteht. Diese Richtlinie tritt am siebenundzwanzigsten September in Kraft und soll Verbraucher vor Greenwashing schützen. Allerdings bringt sie erhebliche rechtliche Unsicherheiten mit sich. Ein zentrales Problem ist das Fehlen einer gesetzlichen Übergangs- oder Abverkaufsregelung für bereits produzierte Waren. Dadurch können auch bestehende Verpackungen und Produkte von den neuen Vorgaben betroffen sein. Die BVE hebt hervor, dass zwar Grundsätze für den Umgang mit Altbeständen entwickelt wurden, jedoch eine rechtssichere Abverkaufsfrist nicht gegeben ist. Zudem verschärft das Klagerecht Dritter nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb die Situation für Unternehmen. Unklare Vorgaben, insbesondere in Bezug auf Materialangaben und deren Umweltaussagen, erhöhen das Risiko von Abmahnungen. Unternehmen sind daher angehalten, ihre Umweltkommunikation frühzeitig zu prüfen und bestehende Verpackungen sowie Werbeaussagen auf die neuen Anforderungen zu überprüfen. Klarheit wird voraussichtlich erst durch die Praxis der Behörden und die Rechtsprechung geschaffen.