--- Hook --- Wir werfen heute einen Blick auf die erstaunliche Tatsache, dass siebenundfünfzig Prozent der Web-Besucher Bots sind, und beleuchten die Pläne von OpenAI, eine Super-App zu entwickeln, sowie Apples Vorhaben, Siri in einen KI-Agenten zu verwandeln. Außerdem diskutieren wir im Fachartikel von Patrick Junge den unterschätzten Social-Media-Markt in Südamerika und hören im Podcast mit Sönke Kranz, wie eine NGO mithilfe von KI Kündigungen vorhersieht. --- Thema 1 --- Laut Cloudflare hat sich die Nutzung des Internets an einem historischen Wendepunkt erreicht. Erstmals stammen weltweit mehr Webseitenanfragen von Bots als von menschlichen Nutzern. Aktuellen Daten zufolge entfallen über fünfzig sieben Prozent der HTTP-Anfragen auf automatisierte Systeme, während nur noch unter vierzig drei Prozent von Menschen generiert werden. Diese Entwicklung vollzieht sich schneller als ursprünglich prognostiziert. Der CEO von Cloudflare, Matthew Prince, hatte noch zu Beginn des Jahres vorausgesagt, dass Bots Menschen erst im Jahr zweitausend siebenundzwanzig überholen würden. Der Anstieg von KI-Agenten, die Informationen auf andere Weise sammeln als Menschen, ist ein wesentlicher Faktor. Während ein Mensch für eine Kaufentscheidung nur wenige Seiten besucht, können KI-Systeme gleichzeitig Hunderte oder sogar Tausende Seiten analysieren. Dies führt zu einem erheblichen Anstieg des Datenverkehrs, ohne dass dies zwangsläufig zu mehr Werbeeinblendungen oder Umsätzen führt. Für Publisher, Händler und Marken entsteht dadurch ein neues Messproblem, da steigende Zugriffszahlen nicht unbedingt eine höhere Reichweite bei echten Nutzern bedeuten. Die Optimierung von Inhalten für KI-Systeme wird für Marketingverantwortliche zunehmend wichtig. Die Diskussion über die Finanzierung von Inhalten, Reichweite und Monetarisierung wird somit zu einer akuten Herausforderung für die gesamte Branche. --- Thema 2 --- OpenAI plant eine umfassende Neuausrichtung von ChatGPT, um die Plattform zu einer sogenannten „Super-App“ auszubauen. Diese Entwicklung zielt darauf ab, verschiedene KI-Funktionen und Dienste an einem zentralen Ort zu vereinen. Zu den geplanten Erweiterungen gehören unter anderem intelligente KI-Agenten und Coding-Werkzeuge, die sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich Unterstützung bieten sollen. Das Unternehmen verfolgt mehrere strategische Ziele. Zum einen soll ChatGPT für Geschäftskunden attraktiver werden und sich im Wettbewerb mit spezialisierten KI-Anbietern besser positionieren. Zum anderen möchte OpenAI neue Erlösquellen erschließen und Nutzer von kostenlosen Angeboten zu kostenpflichtigen Produkten führen. Besonders im Bereich der Entwickler- und Produktivitätslösungen wird eine zentrale Rolle erwartet. Im Mittelpunkt dieser Vision steht die Idee eines persönlichen digitalen Assistenten, der Anwender bei einer Vielzahl von Aufgaben unterstützt und zahlreiche Funktionen innerhalb einer einzigen Anwendung bündelt. Dadurch entwickelt sich ChatGPT von einem klassischen Chatbot zu einer umfassenden Arbeits- und Produktivitätsplattform. --- Thema 3 --- Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz im Jahr zweitausendsechsundzwanzig eine umfassende KI-Initiative vorgestellt, die Siri in einen persönlichen KI-Agenten verwandelt. Diese neue Version von Siri soll nicht nur Sprachbefehle verstehen, sondern auch persönlichen Kontext und Bildschirminhalte erfassen. Die Integration von KI in Apps und das Betriebssystem wird als zentraler Bestandteil hervorgehoben. Branchenexperten bewerten diesen Schritt als entscheidenden Fortschritt im Wettbewerb mit anderen KI-Anbietern wie OpenAI und Google. Siri wird in der Lage sein, Informationen über verschiedene Apps hinweg zu nutzen und Aufgaben eigenständig auszuführen, was die Nutzererfahrung grundlegend verändern könnte. Die Fähigkeit von Siri, persönliche Daten und App-Informationen zu verknüpfen, wird als Zeichen einer neuen Generation digitaler Assistenten betrachtet, die proaktiver agieren. Apple kombiniert lokale Datenverarbeitung mit einer Private-Cloud-Infrastruktur, um sowohl Datenschutz als auch Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Für Marketingverantwortliche eröffnet dies neue Möglichkeiten, da KI-Assistenten künftig Empfehlungen aussprechen und Aufgaben direkt ausführen können. Die stärkere Personalisierung und die Automatisierung von Prozessen könnten die Interaktion der Nutzer mit Marken erheblich beeinflussen. Gleichzeitig betont Apple seinen Fokus auf Datenschutz und Nutzerkontrolle, was dem Unternehmen im KI-Wettbewerb einen strategischen Vorteil verschaffen könnte. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Patrick Junge wird der unterschätzte Social-Media-Markt in Südamerika thematisiert. Patrick Junge erläutert, dass die regionale Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur, bestehend aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, sowie dem zukünftigen Mitglied Bolivien, erhebliche Chancen für Content, Social Commerce und Marketing bietet. Mit über dreihundertfünfzig Millionen Social-Media-Nutzern und einem wachsenden Werbemarkt ist die Region ein bedeutender Absatzmarkt, der von deutschen Unternehmen lange vernachlässigt wurde. Nach Einschätzung von Patrick Junge wird das kürzlich unterzeichnete Mercosur-Abkommen nicht nur den Handel mit physischen Gütern, sondern auch mit digitalen Dienstleistungen fördern. Dies schafft einen verlässlichen Rahmen für Datenflüsse und den Schutz geistigen Eigentums. Junge hebt hervor, dass der südamerikanische Markt für digitale Werbung bis zum Jahr zweitausendachtundzwanzig auf etwa sechzehn Milliarden Euro anwachsen wird. Er betont, dass die EU nun entschlossen handeln müsse, um das Abkommen vollständig zu ratifizieren und die damit verbundenen Chancen nicht zu verpassen. Mercosur ist demnach kein Agrar-Deal, sondern ein strategisch bedeutender Business-Deal, der ernst genommen werden sollte. --- Thema 5 --- In der heutigen Podcast-Episode mit Sönke Kranz wird besprochen, wie Greenpeace Künstliche Intelligenz nutzt, um Kündigungen vorherzusagen und Fake-Profile zu erkennen. Sönke Kranz erklärt, dass im klassischen Marketing die Kalt-Akquisition zunehmend an Effektivität verliert. Greenpeace verfolgt einen Two-Step-Ansatz, bei dem zunächst Petitionen eingesetzt werden, um Menschen zu aktivieren, bevor sie zu einer echten Conversion wie einem Newsletter-Abonnement oder einer Spende übergehen. Dies ermöglicht eine gezielte Qualifizierung der Interessierten und reduziert teure Fehlinvestitionen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Greenpeace festgestellt hat, dass die eigenen Kundendaten ausreichen, um Kündigungen frühzeitig zu erkennen. Externe Daten bringen oft mehr Rauschen als Nutzen. Sönke Kranz betont, dass Unternehmen, die Künstliche Intelligenz einsetzen möchten, ihre Modelle mit eigenen Daten trainieren sollten. Darüber hinaus hat Greenpeace einen innovativen Ansatz getestet, bei dem Menschen im richtigen Moment einfach nur gedankt wird, ohne nach Geld zu fragen. Dies hat nachweislich die Kündigungsrate gesenkt. Sönke Kranz hebt hervor, dass Künstliche Intelligenz dabei hilft, den idealen Zeitpunkt für diese Dankesbotschaften vorherzusagen. Schließlich wird auch das Thema der Fake-Profile und die Herausforderungen im Online-Marketing angesprochen. Sönke Kranz erläutert, dass Marketer sich auf diese Markt-Realität einstellen müssen, um echte Menschen besser zu erreichen.