--- Hook --- Heute geht es bei uns um fünfzig Jahre Burger King in Deutschland, die Greenwashing-Gefahr bei Anzeigen und die spannende Frage, warum Religion sich verkauft. Im Fachartikel von Johannes Paysen wird erläutert, warum Attention wichtiger wird als Reichweite, und im Podcast mit Nino Bergfeld erfahren wir, wie Künstliche Intelligenz den Handel verändert. --- Thema 1 --- Burger King feiert in Deutschland sein fünfzigjähriges Bestehen mit einer umfassenden Jubiläumskampagne unter dem Motto „Feier ein Bissen mit uns!“. Am fünfzehnten Juli neunzehnhundertsechsundsiebzig eröffnete das erste Restaurant der Kette am Kurfürstendamm in Berlin. Im Rahmen der Jubiläumsaktion werden insgesamt eine Million MyBurgerKing-Kronen verlost, die den Mitgliedern des digitalen Bonusprogramms MyBurgerKing™ zugutekommen. Diese Aktion umfasst eine Vielzahl an Gewinnen, darunter Coupons und exklusive Erlebnisse. Ein zentrales Element der Kampagne ist die Baby Burger Box Party Edition, die sowohl Erlebnis als auch Kundenbindung fördert. Die Kampagne verbindet klassische Markeninszenierung mit digitaler Aktivierung und zielt darauf ab, die Beziehung zu bestehenden Gästen zu stärken und neue Kunden zu gewinnen. Begleitend dazu wird ein Kampagnenfilm veröffentlicht, der ein besonderes Geburtstagsständchen enthält. Neben der Baby Burger Box Party Edition werden auch weitere limitierte Produkte, wie eine Dessert-Kollektion und der XXL Whopper® Style Dip, angeboten. Mit dieser Jubiläumsaktion demonstriert Burger King, wie Markenjubiläen effektiv genutzt werden können, um Storytelling, Produktneuheiten und digitale Kundenbindung zu vereinen. --- Thema 2 --- Die digitale Werbebranche sieht sich einem wachsenden Fokus auf Nachhaltigkeit gegenüber, während gleichzeitig das Risiko von Greenwashing steigt. Besonders kritisch sind Aussagen zu klimaneutralen Werbeprodukten, wenn Emissionen durch Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden, deren Effekt erst Jahre später spürbar ist. Corinna Heßler, COO von Pyure, betont die Bedeutung der transparenten Kommunikation dieser Maßnahmen. Bei der Bewertung nachhaltiger Werbung ist es entscheidend, die Beziehung zwischen verursachten Emissionen und erzielter Wirkung zu betrachten. Eine emissionsintensive Werbeform kann nachhaltiger sein, wenn sie effizienter Marketingziele erreicht. Das Activity-based Carbon Accounting setzt sich zunehmend durch und ermöglicht eine präzisere CO₂-Bilanzierung, indem es konkrete Faktoren berücksichtigt. Auch die Adtech-Infrastruktur hat Einfluss auf den CO₂-Fußabdruck von Kampagnen. Der Markt entwickelt sich hin zu einem integrierten Impact-Return on Advertising Spend, der verschiedene Faktoren gemeinsam betrachtet. Künstliche Intelligenz bietet Chancen, aber auch Herausforderungen, da sie Produktionsprozesse ressourcenschonender gestalten kann, jedoch den Energiebedarf erhöht. Nachhaltigkeit wird somit als Optimierungsfaktor in der Kampagnensteuerung betrachtet und könnte zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil werden. --- Thema 3 --- Die Getränkeindustrie sucht nach innovativen Wegen, um sich in einem herausfordernden Marktumfeld zu differenzieren. Dabei gewinnen religiöse Bezüge und Kooperationen mit prominenten Persönlichkeiten aus der Popkultur zunehmend an Bedeutung. Unternehmen setzen diese Ansätze ein, um ihre Marken emotional aufzuladen und spezifische Zielgruppen anzusprechen. International nutzen einige Hersteller religiöse Symbolik als Teil ihrer Markenidentität. In den Vereinigten Staaten werben Energy-Drink-Marken mit Bibelzitaten, während in Brasilien eine Cola-Marke gezielt religiöse Netzwerke für ihren Vertrieb und Markenaufbau einsetzt. In Europa hingegen liegt der Fokus häufig auf der Verbindung von Tradition und modernem Markenauftritt, beispielsweise durch die Wiederbelebung historischer Klostergetränke in zeitgemäßem Design. Auch in Deutschland verändern sich die Marketingstrategien. Angesichts eines rückläufigen Bierabsatzes kooperiert Schneider Weisse mit dem Rapper Tream, um jüngere Zielgruppen anzusprechen und die Marke in der Popkultur zu verankern. Dieses Beispiel zeigt, wie Partnerschaften mit Influencern und Künstlern klassische Werbung ergänzen oder sogar ersetzen können. --- Thema 4 --- Im Fachartikel von Johannes Paysen wird die zunehmende Bedeutung von Attention im Marketing hervorgehoben. Johannes Paysen erläutert, dass nicht mehr die Anzahl der Impressions, sondern die Aufmerksamkeit entscheidend für die Werbewirkung ist. Die durchschnittliche Betrachtungsdauer digitaler Anzeigen ist von zwei Komma fünf Sekunden auf zwei Komma drei Sekunden gesunken, was auf eine Reizüberflutung der Nutzer zurückzuführen ist. Um mehr Aufmerksamkeit zu generieren, sollten Marketer in die Optimierung ihrer Anzeigen investieren. Nach Einschätzung von Johannes Paysen sind emotionale Passung und Kontextualisierung zentrale Hebel, um Attention zu steigern. Werbung, die zur emotionalen Stimmung des Inhalts passt, erzielt eine signifikante Steigerung der Aufmerksamkeit. Zudem ist es wichtig, dass die Botschaft sofort klar ist, da Nutzer:innen im Durchschnitt nur rund zwei Sekunden Aufmerksamkeit schenken. Eine klare und ansprechende Kreation ist entscheidend, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu gewinnen. Johannes Paysen betont, dass Werbung mit hoher Attention-Rate positive Effekte auf Ad Recall, Markenbekanntheit und Kaufbereitschaft hat. Die zentrale Frage für Marketingverantwortliche sollte daher nicht mehr die Anzahl der Impressions, sondern der Attention-Score sein. Reichweite bleibt zwar wichtig, garantiert aber keine Werbewirkung. Es ist entscheidend, dass Werbung im richtigen Moment auf aufmerksame Menschen trifft. --- Thema 5 --- In der heutigen Podcast-Episode mit Nino Bergfeld wird besprochen, wie Künstliche Intelligenz den Handel verändert. Nino Bergfeld erklärt, dass Unternehmen durch die Vereinheitlichung von Daten und die Neudefinition von Personalisierung einen entscheidenden Vorteil gewinnen. Ein guter Kundenservice wird aktiv in den Verkaufsprozess integriert. Künstliche Intelligenz entlastet Serviceteams von häufigen Anfragen und bereichert die Mitarbeitenden mit spezifischem Kundenkontext. Besonders bei Premium- und Luxusmarken wird der Service somit zu einem wichtigen Verkaufskanal. Ein zentrales Thema ist die Notwendigkeit einer einzigen Kundensicht. Marketing-Daten, Serviceanfragen und Transaktionen werden auf einer Plattform zusammengeführt, was eine präzise Analyse von Kundenpräferenzen ermöglicht. Zudem können externe Datenquellen ohne Kopieraufwand integriert werden, was die Effizienz steigert. Nino Bergfeld weist darauf hin, dass traditionelle Suchmaschinenoptimierung nicht mehr ausreicht, da Kunden zunehmend auf Plattformen wie ChatGPT zugreifen. Die Optimierung muss sich an einer Frage-Antwort-Logik orientieren, um relevanten Content zu liefern. Die größten Hebel für Unternehmen liegen im Kundenservice, im Store und in der Supply Chain, wo Künstliche Intelligenz hilft, Engpässe zu vermeiden und die Effizienz zu steigern.